Renaissance der Straßenbahn in Europa– eine sozio-technische Analyse

Eine effiziente und effektive Verkehrsabwicklung wird als eine der zentralen Zielsetzungen einer nachhaltigen Raumentwicklung gesehen. Der Verkehr spielt dabei eine mehrdimensionale Rolle, wobei seine Ambivalenz besonders deutlich in städtischen Räumen hervortritt, in denen inzwischen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung konzentriert ist. Nach Jahrzehnten der Fokussierung auf die Förderung des motorisierten Individualverkehrs wird in den letzten drei Dekaden ein Ausbau des öffentlichen Stadtverkehrs gefordert, wobei die Straßenbahn als umwelt- und benutzerfreundliches Verkehrsmittel oft einen zentralen Platz bei seiner Revitalisierung einnimmt. Dieser seit den 1980er Jahren feststellbare Aufwärtstrend in der Entwicklung von Straßenbahn- und straßenbahnähnlichen Stadtbahnsystemen wird häufig als Renaissance der Straßenbahn bezeichnet. In einigen Regionen bleiben die Aktivitäten zum (Wieder-) Aufbau oder zum Ausbau von Straßenbahntrassen nicht nur auf die Kernstädte begrenzt. So werden innerstädtische Netze in das regionale Umland verlängert oder mit bestehenden Eisenbahnstrecken verknüpft, um mit Tram-Trains bzw. Light Rail Direktverbindungen zwischen Mittel- und Oberzentren und ihren Einzugsgebieten herzustellen.

Im Unterschied zur früher lange dominierenden Konzeptualisierung von Verkehrsthemen als technisch zu lösende Sachfragen wird im Rahmen dieses Promotionsvorhabens die Renaissance der Straßenbahn als komplexes sozio-technisches Phänomen aufgefasst, welches durch urbane und soziale Bedürfnisse und Entwicklungen geprägt ist. Bei weitgehend gleich gebliebener Antriebstechnologie der Tram handelt es sich um eine grundlegende Veränderung ihres großtechnischen Systems und ihrer Wahrnehmung, wobei ordnungspolitische und fiskalische Rahmenbedingungen, die Raumordnungs- und Siedlungspolitik sowie das allgemeine Ver-kehrsverhalten eine entscheidende Rolle spielen. Eine integrierte Untersuchung der Straßenbahnrenaissance, welche über die allgemein verkehrstheoretischen und betrieblich-technischen Aspekte hinausgeht, wird folglich die Zielsetzung sein.

In der Arbeit wird angestrebt, die Nahverkehrssystemtransformation hinsichtlich ihrer multidimensionalen Wechselwirkungen zwischen Technologie, Verkehrsmärkten, Politik, Kultur und Zivilgesellschaft in einem geeigneten konzeptionellen Rahmen zu erfassen. Für diesen Zweck soll an Debatten zur Innovation großtechnischer Systeme bzw. sozio-technischer Regime, an die raumwissenschaftliche Infrastrukturforschung sowie an verkehrswissenschaftliche Konzepte und Modelle angeknüpft werden. Die räumliche Perspektive wird explizit aufgegriffen, wobei Raum nicht nur physisch, sondern vielmehr als Beziehungsgefüge und als Institutionennetzwerk verstanden wird. In der kontextsensitiven Analyse im Rahmen von vier europäischen Fallstudien sollen dadurch die sich an einem konkreten Ort überlagernden Relationen und Netze deutlich werden.

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