Die Vermittlung von Raum und Technik durch Metaphern

Andreas Brenneis

Das Forschungsprojekt untersucht die Frage, inwiefern Diskurse in ihrer einheitlichen Metaphernverwendung homogen wirken, also als Einheit verstanden werden und somit Wirksamkeit entfalten können. Die thematische und metaphorische Abgeschlossenheit hat Auswirkungen darauf, ob gewisse Positionen einem Diskurs zugeordnet werden oder nicht und wie für Autorinnen und Autoren ein Anschluss an einen bestehenden Diskurs hergestellt werden kann.

Diese Fragestellung wird an der konkreten Diskursformation „Technikkritik“ elaboriert und auf ihren Erkenntnisgewinn hin untersucht. Eine Diskussion der Eigentümlichkeiten „der Technik“ beginnt in der Philosophie explizit mit Ernst Kapps Grundlinien einer Philosophie der Technik von 1877. Nach dem Ersten Weltkrieg, insbesondere aber nach 1945 und im Zuge zunehmender Maschinisierung und Automatisierung von Arbeitsprozessen wird immer öfter die Frage gestellt, welche Auswirkungen ein „Dominantwerden technischer Kategorien“ für das gesellschaftliche sowie individuelle Leben hat. Nicht zuletzt wird konstatiert und kritisch hinterfragt, inwieweit Denk- und letztlich auch Lebensprozesse überhaupt im Lichte der Technik anders bewertet müssen werden und – so die pessimistische These – zu verkümmern drohen. Philosophische Texte mit einem solchen Frage- und Problemhorizont waren ab der Mitte des 20. Jahrhunderts weit verbreitet und auch in der Öffentlichkeit präsent. Sie erschöpften sich dabei in keinem Fall in Fachdiskussionen, sondern verstanden sich immer auch als Reflexionen auf das allgemeine gesellschaftliche Geschehen. Da die in diesen Texten vorgebrachten begrifflichen Erörterungen zum Thema Technik auch als dringend und drängend verstanden wurden, wenden sie sich auf andere Weise an ihr Publikum als Auseinandersetzungen beispielsweise über Kausalität, Paradoxien oder Aporetik. Aktuelle Entwicklungen aufgreifend und aufarbeitend versuchen diese Texte um das theoretische Zentrum der Technik herum Verwerfungen und Kollisionen, Interessenskonflikte und Auswegslosigkeiten zu bestimmen – letztlich Probleme die auch immer zugleich praktischer Natur sind.

Die Texte stehen damit in einem Spannungsfeld, das gekennzeichnet ist durch eine Gemengelage von Dringlichkeit und Bedrohlichkeit, Machtlosigkeit und Initiative, kleinen Veränderungen und großen Entwicklungen. Um das Problematische an der Technik zu bestimmen und auf den Begriff zu bringen, greifen die Texte auch immer wieder auf Metaphern zurück. Diese spielen dabei nicht eine allein rhetorische, sondern auch eine epistemologische Rolle, denn durch die Perspektiven, die Metaphern eröffnen können, ist es sowohl möglich Dinge neu zu sehen als auch neue Dinge in den Blick zu bekommen. Gerade aber die Verbindung von Erkenntnisinteressen und Mitteilungswillen verdichtet sich in Metaphern und macht eine Analyse von einzelen Textstellen und deren Zusammenspiel zu einem lohnenden und neuartigen Untersuchungsgegenstand. Und insbesondere das Zusammenspiel verschiedener Metaphoriken über Texte hinweg – also auf der Ebene des Diskurs – lohnt eine Begutachtung. Durch die Draufsicht von der Ebene des Diskurses her wird die übliche Konzentration auf eine Metapher aufgehoben und als nur eine Spielart weiterer Möglichkeiten kenntlich gemacht. Die Beziehungen zwischen konkreten Metaphern und leitenden Metaphoriken sowie zwischen Topoi und Begriffen eröffnen das Feld, in dem die Dissertation Erkenntnisse über Wirkweisen und Abhängigkeiten eines Diskurses aufzeigt.

Der Diskurs der Technikkritik ist also einerseits der Untersuchungsgegenstand, über dessen Binnenverfasstheit von der Metaphorik her neue Aufschlüsse gewonnen werden; zugleich aber ist der Diskurs auch das Mittel der Analyse, um exemplarisch mögliche Verbindungen von Metaphern aufzuweisen und zu systematisieren.

Methodisch wird hierfür an Theorien angeknüpft, die Metaphern auf der Textebene als Interaktionen auffassen, wobei die Beziehungen zwischen Worten, Kontexten und letztlich eben auch dem Diskurs bestehen. Textstellen als metaphorische zu identifizieren ist daher erster Schritt und essentieller Bestandteil der Analyse, die dann in den nächsten Schritten ein Mosaik aus den einzelen Fundstellen zu re-/konstruieren sucht.

 

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